Kulturentwicklung als Wachstumsmotor

6. Symposium der systemischen Peergroup München

Fortschritt hängt nicht allein von technologischer Innovation ab, sondern auch von der Weiterentwicklung unserer Gesetzte und sozialen Normen. Auf der einen Seite steht der technische Fortschritt mit seinen Erfindungen, auf der anderen die sozialen Normen und Regeln. Die Unternehmenskultur ist die Grundgesamtheit gemeinsamer Werte, Normen und Einstellungen, welche die Entscheidungen, die Handlungen und das Verhalten der Organisationsmitglieder prägen. Kultur ist die Musik, die niemand hört, zu der dennoch alle tanzen. In vielen Unternehmen wird darüber geklagt, dass nur wenige Mitarbeiter wirklich mit Leidenschaft anstehende notwendige Veränderungen angehen. In meinem Symposiumsbeitrag am 10. Januar 2015 will ich Perspektiven eröffnen, wie Kulturentwicklung die gestaute Energie dazu frei setzen kann.

Kann Unternehmenskultur überhaupt entwickelt werden? Für den Systemtheoretiker Niklas Luhmann beginnt geschichtlich gesehen Kultur erst dann, wenn es einer Gesellschaft gelingt, nicht nur Beobachtungen vom Menschen und dessen Umwelt anzustellen, sondern auch Formen und Blickwinkel der Beobachtungen der Beobachtungen zu entwickeln. Dafür braucht es Experten, die die Beobachtungsweise anderer untersuchen. Sie helfen dabei, die Zusammenhänge zwischen einzelnen Beobachtungen zu begreifen. Damit werden Inhalte von Unternehmenskultur als etwas Gemachtes aufgefasst. Unternehmenskultur wird damit de- und rekonstruierbar. Damit ist aus einer systemischen Sicht Unternehmenskultur indirekt gestaltbar.

Die Unternehmenskultur steht in einem Zusammenspiel aus Strategie, Prozessen und Personen. Die Kultur eines Unternehmens bildet sich in den Werten und Überzeugungen, sowie im Umgang miteinander ab. Ihr kommt Regelungscharakter zu, sie wirkt als Orientierungsrahmen und spiegelt sich in den internen Leitbildern und Richtlinien wieder. Die Unternehmenskultur kommt auf verschiedenen Ebenen zum Vorschein und äußert sich beispielsweise in Elementen wie Unternehmenszielen, Führungs- und Kommunikationsstil, Unternehmensgeschichten, Ritualen, Logos, Namen und anderen alltags- und geschäftsrelevanten Erscheinungen.

Durch die Kultur entsteht ein Gemeinsamkeitsgefühl und Orientierung im täglichen Handeln. Das gibt den handelnden Personen im Unternehmen Kraft und Motivation. Kultur vermittelt Sinn und erzeugt Sicherheit. Damit kommt der Kultur eine enorm stabilisierende Bedeutung zu. Wird diese Bedeutung bei einem tiefgreifenden Veränderungsvorhaben nicht entsprechend berücksichtigt, entstehen große Verunsicherung und Orientierungslosigkeit bis hin zu massiven Ängsten bei den betroffenen Mitarbeitern und Führungskräften. Dies kommt, teilweise unbewusst, auf der Verhaltensebene zum Ausdruck, und zeigt sich in ressourcen- und energieraubenden Widerständen und Abgrenzungen zwischen den betroffenen Akteuren. Die gerade in dieser Phase dringend benötigte intensive Zusammenarbeit von Mitarbeitern und Führungskräften der verschiedenen Unternehmensteile kann nicht zustande kommen. Dadurch geraten dann vermeintlich wichtige operative Fragen in den Vordergrund, wodurch die Arbeit an der neuen Unternehmensidentität zwangsläufig in den Hintergrund gerät.

Insoweit wird die Notwendigkeit deutlich, bei Veränderungsvorhaben bewusst in die Gestaltung der neuen Unternehmenskultur einzugreifen. Kulturaspekte zu besprechen, schafft Transparenz und Vertrauen in einem zunächst unsicheren Umfeld und führt zur Beteiligung und Eigenverantwortung bei den betroffenen Mitarbeitern und Führungskräften.

Die Untersuchung metaphorischer Sprachmuster in Unternehmen ist ein guter Zugang Kulturaspekte besprechbar zu machen. Erbsenzähler, Silodenken oder der Kunde als König sind Bilder, die dazu einladen, gedanklich und gefühlsmäßig in die Bedeutungswelten dieser Metaphern einzutauchen. Der Management Autor Reinhard Sprenger hat ein ganzes Buch über die Analogie Fußball geschrieben. Mit den Anekdoten, Bildern und Beispiele aus der Fußball Welt will er Manager zur Selbstreflexion anregen.

  • Welche Denk- und Handlungsperspektiven liefern die einzelnen Metaphern?
  • Welche Grenzen haben Sie?
  • Was beleuchten, was verdunkeln Sie?

Eine Alternative sind einfache Kulturmodelle, die dabei helfen Formen und Blickwinkel der Beobachtungen von Beobachtungen zu sortieren. Mit beiden Varianten werden wir in dem gut einstündigen Workshop experimentieren.

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