Kultur führt

Führungstheorien im Wandel

Führung legt aktuell den Fokus auf Kultur. Der italienische Regierungschef geht mit gutem Beispiel voran. Er unterstützt nicht die Militärfront gegen Syrien, statt dessen verteilt er Kulturgutscheine an seine Landsleute. Mariott Stollsteiner, Künstlerin und Unternehmensberaterin kämpft schon seit Jahren für den Nutzen der Kunst im Unternehmen. Am Ende ist entscheidend, nicht in der Betrachter-Rolle zu verharren, sondern aktiv am Geschehen teil zu nehmen.

Ein kurzer Rückblick hilft den Wandel der Führungstheorien nach zu vollziehen. Die ersten Führungstheorien waren geprägt von einem einfachen Ursache-Wirkungsdenken. In den 20er Jahren waren die Untersuchungen darauf ausgerichtet, die Merkmale  von Führungspersönlichkeiten herauszufinden. In den 30er Jahren wurde die Diskussion um Führungsstile „autoritär – demokratisch – laissez-faire“ (Kurt Lewin 1938–1940) geführt. Das Verhalten der Führungskraft gegenüber Mitarbeitern stand im Vordergrund. „Kommandieren, Kontrollieren und Korrigieren“ waren zu diesem Zeitpunkt die Aufgaben der Führung.

In den 60er Jahren rückten die Mitarbeiter vermehrt ins Blickfeld der Aufmerksamkeit. Blake und Moutan integrierten in ihrem Managerial Grid die Mitarbeiterorientierung. Hersey und Blanchard erklärten in ihrem Modell des situativen Führens passendes Führungsverhalten abhängig vom Reifegrad des Mitarbeiters. „Fordern, Fördern, Feedback“ wurden zu den Schlagworten der Führung.

Seit den 80er Jahren verbreitet sich mehr und mehr ein systemisches Führungsverständnis. Sichtweise und Denkinstrumente der Systemtheorie decken sich jedoch selten mit dem gewohnten Verständnis kausalen Denkens. Einfache Erklärungen haben größeren Appeal als der Verweis auf komplexe und undurchschaubare Zusammenhänge. Ein systemisches Führungsverständnis richtet den Fokus auf  „Kräfte, Kultur und Kontext“. Es geht um eine gezielte Einflussnahme in Kommunikations- und Erwartungsstrukturen der Beteiligten, um dadurch die Selbstorganisation zu fördern.

Ein Beispiel aus der Politik macht in diesem Sinne gerade Schlagzeilen. Der italienische Regierungschef Matteo Renzi, 40, verweigert sich der Militärfront gegen Syrien. Man könne nicht einfach losziehen, ein paar Bomben werfen und glauben, man habe das Problem gelöst, sagte er. Stattdessen will er jedem Italiener einen Kulturgutschein im Wert von 500 Euro überreichen – auszugeben für Konzerte, Theaterbesuche, für Museen und Bücher. Er will Italien mit Kultur und Bildung gegen den Fanatismus immun machen.

Den Nutzen von Kunst im Unternehmen habe ich von Mariott Stollsteiner begriffen. Als Beraterin, Coach und Künstlerin gestaltet sie Projekte für unternehmensspezifische Entwicklungsfelder. Sie arbeitet zu konkreten Fragestellungen mit allen künstlerischen Techniken. Mitarbeiter plastizieren, malen, zeichnen, fotografieren, drehen Videos und machen Musik. Mit ihren Teilnehmern betrachtet sie Bilder, besucht Museen und leitet zur Begegnung mit zeitgenössischer Kunst an. Sie führt Menschen durch künstlerisches Handeln zum Dialog. Sie erweitert die Führungs- und Selbstführungsstrategien der Führungskräfte durch Kunst. In der Zeitschrift brandeins (3.Jahrgang / Heft 01 Februar 2001) erzählt sie über die lohnende Mühe, Betriebe in Unternehmens-Skulpturen zu verwandeln. In Ihrem Buch, Das A.R.T.-Prinzip erklärt sie den Nutzen der Kunst im Unternehmen.

Bei dm kann das jeder Auszubildende erfahren. Eine Säule des Auszubildendenprogramms ist die Heranführung an Kunst. Das Ausbildungsprogramm ist mehrfach prämiert. Ziel ist stets die Kreativität und Eigenständigkeit zu fördern. Das ist die Voraussetzung für neue Lösungen.

So bekommt Führung heute in Unternehmen sprichwörtlich die Aufgabe, Kultur zu gestalten. Führungskräfte werden zu Künstlern sozialer Skulpturen.

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