Die neue Zeit fordert Führung heraus

Aktuelle Buchveröffentlichung
Leadership für eine neue Zeit. Die Regeln unseres Wirtschaftslebens ändern sich. Getrieben vom Wandel zur Wissensgesellschaft, Digitalisierung, Social Media und einer neuen Generation von Mitarbeitern, die in die Unternehmen drängt. Die Diskussion um den Wandel wird aus einer technologischen Perspektive geführt. Die vierte industrielle Revolution wird verkündet. Die Digitalisierung gipfelt im Zukunftsprojekt Industrie 4.0.

Die erste industrielle Revolution war die Mechanisierung mit Wasser- und Dampfkraft. Es folgte die Massenfertigung mit Hilfe von Fließbändern und elektrischer Energie. An dritter Stelle schloss sich die weitere Automatisierung der Produktion unter Einsatz von Elektronik und IT an. Und jetzt zeichnet sich die Industrie 4.0 durch Wandlungsfähigkeit, Ressourceneffizienz und die Integration von Kunden und Geschäftspartnern in Geschäfts- und Wertschöpfungsprozessen aus. So werden starre funktions- und abteilungsgebundene Organisationsstrukturen obsolet. Hierarchische Strukturen werden zunehmend von dynamischen und flexiblen Unternehmensnetzwerken abgelöst. Was bedeutet das für Führung?

Eine andere Perspektive gibt auf diese Frage mehr Orientierung. Eine gesellschaftliche Entwicklungsperspektive gibt mehr Hinweise auf die veränderten Anforderungen an Führung. Aus einer Perspektive der gesellschaftlichen Entwicklung stehen wir heute an der Schwelle zu einer neuen Zeit. Sie zeigt sich im „Wir wollen“. Diese vierte Entwicklungsphase folgt auf die drei Entwicklungsschritte „Ihr müsst“ – „Du sollst“ – „Ich will“. Die Entwicklung „Wir wollen“ hat begonnen.

Im alten Ägypten regelte die Maat die gesellschaftliche Form des Zusammenlebens. Die Maat ist das altägyptische Konzept für Gerechtigkeit, Weltordnung, Wahrheit, Staatsführung und Recht. Jeder Ägypter, egal welches Standes, musste sich den Prinzipien der Maat unterwerfen. Die Maat machte keinen Unterschied zwischen den Menschen, jeder hatte sich an die Prinzipien zu halten. Alle wussten was sie mussten. Die Maat gab es vor. Das war die Zeit: „Ihr müsst“.

Nach „Ihr müsst“ kommt „Du sollst“. Die 10 Gebote im Christentum sind entsprechend formuliert. Im alten Testament ist der Wandel von „Ihr müsst“ zu „Du sollst“ in dem folgenden Satz dokumentiert: „Ich bin Jahwe, dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat, aus dem Sklavenhaus.“ Und dann folgen die zehn Gebote, welches jedes mit „Du sollst…“ beginnt.

Nach „Du sollst“ folgt „Ich will“. Diese Zeit ist mit der Epoche der Aufklärung etwa ab dem Jahre 1650 verknüpft. Die Aufklärung zielt gesellschaftspolitisch auf mehr persönliche Handlungsfreiheit. Nach Kant ist Aufklärung „der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit“. Das „Ich will“ ist arbeitsmarktpolitisch noch am Anfang des 21. Jahrhunderts mit dem Konstrukt der „Ich AG“ ins Bewusstsein der Menschen gehämmert worden.

Und heute lassen sich immer mehr Beispiele finden in denen sich das Prinzip „Wir wollen“ zeigt. Das Projekt AUGENHÖHE wird von einer aktiven Community in die Welt getragen. Mittlerweile sind zwei Filme mit Crowdfunding unterstützt entstanden. Ziel ist gemeinsam die Arbeitswelt zu verändern. Auch wir bei system worx haben in unserem Beratungsunternehmen keinen Chef. Wir, die sechs Partner führen und gestalten unsere Partnerschaftsgesellschaft gemeinsam.

Die Phase „Wir wollen“ geht in der Industrie 4.0 über die Unternehmensgrenzen hinweg. Kunden und Geschäftspartnern werden in Geschäfts- und Wertschöpfungsprozesse integriert. Und auch die zunehmende Ablösung hierarchischer Strukturen macht deutlich, dass Anordnungen von oben nicht mehr funktionieren. Das Arbeiten in flexiblen Netzwerken bringt mehr Beteiligung und Selbstbestimmung der Gruppe mit sich.

Die Entwicklungsperspektive „Ihr müsst“ – „Du sollst“ – „Ich will“ – „Wir wollen“ weist auf zwei wesentliche Veränderungen in der neuen Zeit hin. In den ersten beiden Schritten kommt die Orientierung von Außen für das was richtig oder falsch ist und für das was getan werden muss beziehungsweise soll. Entwicklungsgeschichtlich stehen hierfür die Maat, die 10 Gebote und ein durch Anordnung geprägter Führungsstil. Im Entwicklungsschritt „Ich will“ sucht der Einzelne die Orientierung bei sich. Damit geben persönliche Motive, Bedürfnisse und Werte in Entscheidungssituationen die entsprechende Orientierung. Das spiegelt sich in einem werteorientierten Führungsstil, der auch die Motive und Bedürfnisse des Einzelnen berücksichtigt. Und in der zweiten Veränderung vom „ Ich will“ zu „Wir wollen“ steckt der Wechsel vom Individuum zum Kollektiv. Nicht mehr die Führung von Einzelpersonen steht im Vordergrund, sondern die von Gruppen. Führungskräfte brauchen heute komplett neue Methoden, Tools und Denkhaltungen, um Gruppen oder Netzwerke zu initiieren und deren Arbeitsfähigkeit zu fördern. Die Führungskraft als Teamentwickler geht in die richtige Richtung, ist aber noch zu kurz gedacht. Führungskräfte sind Kulturentwickler.

In dem aktuell erschienen Buch „Leadership für eine neue Zeit“ findet der Leser eine Vielzahl an Ideen, verschiedene Perspektiven, praxiserprobte Modelle und konkrete Vorgehensweisen zum Thema Kulturentwicklung. Dieses Buch richtet sich an interessierte Führungskräfte, verantwortliche Manager und Spezialisten aus den Bereichen Personal- und Organisationsentwicklung.

Statt auf Theorie liegt der Schwerpunkt auf den Erfahrungen der system worx Partner aus der Vielzahl an Projekten zu den Themen Kulturentwicklung und Kooperationsberatung. Eine gemeinsame Botschaft teilen die Partner von system worx: moderne Unternehmensführung funktioniert nicht mehr mit Druck von oben nach unten. Eine neue Kultur zeichnet sich durch Freiräume, Kooperation, Wertschätzung und Vertrauen aus. Die Beiträge beschreiben keine abgehobenen Visionen einer neuen Unternehmenswelt, sondern konzentrieren sich auf das in den Unternehmen heute Machbare.

Die technologischen Voraussetzungen für eine neue Zeit des „Wir wollens“ sind vorhanden. In Unternehmen nutzen Mitarbeiter verstärkt neue Medien. Die Übermittlung und Recherche von Informationen gehen schneller. Teilweise stehen Informationen zum Abruf für jeden bereit. Informationen fließen auch über Unternehmensgrenzen schnell und leicht.  WhatsApp, Facebook, google+ und firmeninterne Kommunikations- und Kollaborationsplattformen bieten unternehmens- und hierarchieübergreifende Möglichkeiten der Kommunikation und Zusammenarbeit. Die Neuen Medien haben heute schon Auswirkungen auf traditionelle Geschäftsmodelle. Aktuelles Beispiel ist AirBNB, die der klassischen Hotellerie Konkurrenz machen.

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