Drei Monate mit der Familie in Südafrika

Langer Urlaub oder Sabbatical?

Die Tage mit Blick auf‘s Meer, bei angenehmen 25 Grad und Sonne satt sind gezählt. In drei Tagen wird uns die aktuelle Kältewelle in Deutschland empfangen. Zu Beginn der drei Monate intensiver Familienzeit in Südafrika war die Frage relevant, „Ist das ein Urlaub oder ein Sabbatical?“. Als Urlaub fühlten sich die drei Monate megalang an. Als Sabbatical sind drei Monate der kürzeste Zeitraum, der sich noch als Sabbatical bezeichnen lässt. Mit dem Kurzzeitsabbatical mischte sich Wehmut, „Schade, nur so kurz.“ Allein die Bezeichnung der vor einem liegenden Zeit, machte einen Unterschied auf das Ausmaß der Vorfreude.

Im Rückblick an Hand des konkreten Erlebens lässt sich die Frage leicht beantworten. Die ersten acht Wochen waren stark von Urlaubsgefühlen begleitet. Nach acht Wochen stellte sich eine gewisse Sättigung, Neues zu erleben, ein. Der aufkommende Gedanke, „Jetzt ließe es sich gut, nach Hause zu reisen.“, deuteten wir als Hinweis, „Jetzt ist der Urlaub zu Ende.“

In den letzten vier Wochen etablierte sich ein Lebensgefühl, in dem der Moment zählt. Mit allen Sinnen den Moment wahr zu nehmen. Im Moment angekommen. Gedanken über Zeit spielen keine Rolle mehr. Das Sinnieren mit Blick auf‘s Meer wird nicht mehr von Gedanken, „was wir auf jeden Fall noch unternehmen wollen.“ unterbrochen. Die Liste mit den noch offenen Unternehmungen gerät in Vergessenheit oder wird von der Schönheit des Moments verdrängt.

Im Kontrast dazu erlebte ich die erste Woche unseres Urlaubs oder Sabbaticals als Beobachter. Die Tageserlebnisses liefen mehr wie ein Fernsehfilm an mir vorbei. Beim Zuschauen einer Episode beschäftigten sich die Gedanken damit, was wohl in der nächsten Episode geschieht. Und dabei ungeduldig auf die erhoffte Entspannung gewartet. Das Thema Entspannung ist beim Reisen mit zwei kleinen Kindern ein Drahtseilakt. Zumindest die Frage nach Urlaub oder Sabbatical spielt gegen Ende keine Rolle mehr. Es ist eine dreimonatige Reise in der Außenwelt durch Südafrika und in der Innenwelt ein Stück mehr zu mir selbst.

Meine gewöhnlichen Stimmungsschwankungen waren mit im Gepäck. In der anfänglichen Beobachterrolle noch überrascht, wie die Stimmungstiefs sich eher wie blinde Passagiere ins Gepäck geschlichen haben. Mit dem Auftauchen der blinden Passagiere wächst die Erkenntnis, keiner kann vor sich selbst weglaufen. Doch im letzten Drittel der Reise, mehr und mehr im Moment angekommen, ändert sich der Umgang mit den Tiefs. Den Tiefs nachspüren, wie dem Flusslauf bis an die Quelle folgend, Vergessenes, Verdrängtes und Beiseite geschobenes erinnern. Wenn es gelingt, das „was ist“ anzunehmen, verflüchtigen sich die Tiefs schneller als gewöhnlich. Und die Begegnung mit dem ein oder anderen gut erforschten Fluss zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht. Das Auftauchen bekannter Flüsse wandeln sich zu Erinnerungshilfen für das gelebte Leben. Die weißen Flecken auf der Landkarte des eigenen Lebens werden kleiner. Das macht das Leben unterm Strich leichter und heiterer.

Zurück in Deutschland freue ich mich wieder darauf mit meinen Kunden, Teilnehmern und Coachees, den Dingen auf den Grund zu gehen. Gerne auch als Reisebegleiter auf Reisen zu sich selbst, wenn es passt in einer Atmosphäre von heiterer Gelassenheit und stets mit dem Ziel, sein Leben zu leben.

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